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Eltern-Medien-Trainer

 

„Wie viel Fernseh- oder Computerkonsum ist gesund für mein Kind“, diese oder ähnliche Fragen tauchen häufig auf Elternabenden mit Eltern-Medien-Trainern auf. Aber was sind Eltern-Medien-Trainer überhaupt? In der Regel Pädagogen/innen aus dem Bereich der Medienpädagogik, Jugendarbeit oder Schule. In Niedersachsen gibt es zur Zeit144 Trainer/innen, die durch das Land Niedersachsen zertifiziert und durch die Landesstelle Jugendschutz aus- und weitergebildet werden. Eltern-Medien-Trainer sind in der Regel nebenberuflich tätig, d.h. ihre eigentliche Arbeit ist die mit Kindern und Jugendlichen. Die „vier Säulen“ des Angebotes sind: Internet, Spiele, Fernsehen und Handy, wobei heute natürlich ein Thema in das andere greift. Die Angebotsformen sind sehr unterschiedlich, beginnend bei gewöhnlichen Elternabenden in der Schule oder in der KiTa, über Eltern/Kind Workshops bis hin zu Projekttagen für Schüler und Schülerinnen aller Klassenstufen. Darüber hinaus ist die Arbeit mit Multiplikatoren von der Krippe bis zur Berufsschule oder der Jugendarbeit ein wichtiges Arbeitsfeld.

Auch betreuen Eltern-Medien-Trainer häufig Angebote der örtlichen und überregionalen Jugendhilfeträger, zum Beispiel Eltern-LAN Partys oder den „Safer-Internetday“.

 

Doch um auf die Frage vom Beginn zurückzukommen, so einfach lässt sich diese gar nicht beantworten. Wie alt ist den das Kind? Wie sieht ihre familiäre Situation aus, gibt es zum Beispiel ältere Geschwister? Wie ist ihre Einstellung als Eltern zu bestimmten Medien oder den Inhalten, usw.? Sie merken, jede Familie muss für sich aushandeln, wie regeln wir unseren Umgang mit alten und aktuellen Medien. Ein Patentrezept gibt es nicht. Eltern-Medien-Trainer können aber Tipps geben, Situationen vielleicht objektiver bewerten, Ängste und Sorgen abbauen, aber auch auf Risiken und Gefahren hinweisen. Kinder werden gerne als „digital natives“ bezeichnet, natürlich haben Kinder und Jugendliche einen sehr viel offeneren Umgang mit aktuellen Medien als Erwachsene, das hat mit der vielbeschworenen Medienkompetenz jedoch nur wenig zu tun. Wir alle sind sozusagen „Straßenverkehrs natives“, aber Verkehrsregeln und die Bedeutung einer roten Ampeln bringen wir unseren Kindern nicht ohne Grund bei, gleiches sollte im Umgang mit Internet oder Smartphones gelten.Medienkompetenz wird nicht angeboren, wir müssen sie uns in einem kontinuierlichen Lernprozess aneignen.

Dabei spielt die berühmte Frage: „Braucht mein Kind das überhaupt?“ gar keine Rolle mehr, die technischen Entwicklungen sind da, sie sind Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. In fast jedem Haushalt steht ein Fernseher oder ein Computer mit Internetanschluss, Handys sind allgegenwärtig und Radio/Bücher sind nicht zu übersehende Medien in jeder Wohnung. Wenn unsere Kinder die Welt entdecken, sind diese Medien teil dieser Lebenswelt, sie wollen und müssen wissen wie man damit umgeht Das bedeutet natürlich nicht, das ein Kindergartenkind womöglich ein facebook-Profil haben sollte. Medienkompetenz, die Eltern-Medien-Trainer vermitteln möchten, ist viel mehr als das Bedienen von Computern, es geht darum Medien hinterfragen und durchschauen zu können, die richtigen Medien, zur richtigen Zeit zu nutzen und Information immer kritisch zu betrachten und zu hinterfragen.

Der Zugang zu aktuellen Medien muss dabei immer altersgerecht sein. So ist es durchaus in Ordnung, wenn Eltern ihrem Kindergartenkind erklären was facebook ist, sollte es danach fragen. Ein Soziales Netzwerk erklärt zu bekommen, heißt noch lange nicht, Teil davon zu werden.

Nur leider ist es für viele Eltern gar nicht einfach, zum Teil unmöglich, zu erklären: Was ist facebook? Auch Fragen: „Wie funktioniert das Internet? Warum darf ich dieses Spiel noch nicht spielen?“, stellen einige Eltern, aber auch viele Pädagogen nicht zu unrecht vor Probleme. Eltern-Medien-Trainer versuchen diese Fragen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu beantworten, bzw. zusammen mit Kindern und Jugendlichen eigene Antworten zu erarbeiten. Ein hohes Maß an Medienkompetenz ist eine Mischung aus kindlicher Neugier und erwachsener Weitsicht, beides ist untrennbar miteinander verbunden. Soziale Netzwerke, Fernsehen oder Computerspiele, alles ist unglaublich spannend und richtig eingesetzt ungeheuer wertvoll, jedoch nicht risikofrei! Es ist wieder wie beim Straßenverkehr, er kann Spaß machen, ist wichtig und niemand möchte ihn ernsthaft missen, jedoch ungefährlich ist er nicht. Ein Chemiker würde sagen: Die Dosis macht das Gift. Eltern-Medien-Trainer versuchen Chancen zu zeigen und begreifbar zu machen, wir sprechen aber auch Schattenseiten an und mahnen bei „zu viel“. Es ist wie bei Peter Lustig und Löwenzahn, den viele Eltern sicher noch kennen, am Ende der Sendung hieß es: Ausschalten! Einschalten kann das jüngste Kind alles ganz schnell, das ist jedoch noch keine wirkliche Medienkompetenz, sie beginnt da, wo Fernsehen und Computer auch selbständig wieder ausgeschaltet werden.

Eltern-Medien-Trainer finden Sie in ihrer Region über des Hilfeportal des Präventionsrates Braunschweig (www.bs-hilft-dir.de) oder überregional auf der Projektseite (www.eltern-medien-trainer.de).

 

Stefan Schaper

Eltern-Medien-Trainer

 

Artikel für die ClicClac, Juni 2012