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Internet im Unterricht –
Ideen für den Unterrichtseinsatz von PC und Internet

 
Das Computer und Internet mehr leisten als Spiele ist kein Geheimnis, beides aber reibungslos in den Unterricht einzubauen erscheint dagegen oft schwierig. Das muss jedoch nicht, oft fehlt einfach nur die richtige Software oder die Idee.
In der AG „Internet im Unterricht“ möchten wir ihnen einerseits gute und kostenlose Software vorstellen, auf der anderen Seite möchte wir ihnen für die verschiedensten Unterrichtsfächer und Lehrsituationen Ideen präsentieren, die sie leicht adaptieren und verändern können. Dabei spielt es oft keine Rolle, ob der Unterricht für eine dritte oder dreizehnte Klasse vorbereitet werden muss. Aus Erfahrung wissen wir, das die Arbeit am und mit dem Computern die überwiegende Mehrheit der Schüler stark motiviert – warum also nicht diese Motivation nutzen und für den Unterricht einsetzen?
 
Nehmen wir als Beispiel eine 1. Klasse, natürlich können diese Kinder noch nicht schreiben oder lesen, aber die Mehrheit aller Grundschüler beherrscht einfach Multimedia Geräte und Software ohne Probleme. Nennen wir das Projekt „Schulkarte“ (sie können auch ein Museum oder einen Stadtteil als „Basis“ nutzen, alles kein Problem). Rüsten Sie die Kinder mit Digitalkameras (das Medienzentrum der Stadt/Gemeinde sollte über genügend Geräte verfügen) aus oder erlauben Sie den Einsatz von (eigenen) Fotohandys. Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen und entsenden Sie die Gruppen, um eine möglichst genaue „Karte“ des Gebäudes zu erstellen. Wo betrete ich das Gebäude? Was gibt es alles in der Pausenhalle zu sehen? Wo sitzt der Hausmeister? Hinter welcher Tür versteckt sich der Zugang zur Turnhalle?
Die Kinder sollen rein visuell arbeiten, es bedarf keines geschriebenen Wortes für so eine Karte. Dieses Methode ist insbesondere ideal, wenn der Migrationsanteil in der Klasse sehr hoch ist – den Bilder sind eine universelle Sprache, an deren Beispiel die deutsche wiederum gelernt werden kann.
Die Bilder der Karte müssen von ihnen als Lehrkraft nur noch ausgedruckt werden und die Kinder können loslegen. Hier kommen dann wieder altbewährte Materialien und Methoden zum Einsatz, wie Schere, Stift und Papier. Alternativ und je nach Ausstattungsstand der Schule kann dies natürlich auch zusammen an der „Tafel“ (Smartboard, WII oder EIKI Interactive Kit) geschehen. Hier ist es nur wichtig, lassen sie die Kinder agieren, diese wissen in der Regel genau was sie wollen und wie das Endprodukt aussehen soll.
Oder nehmen wir als Beispiel das Fach Mathematik – 4.Klasse. Wir wissen alle, Mathematik besteht aus mehr als reinen Zahlen. Formen, Proportionen oder Einheiten sind nicht nur Bestandteil des Lehrplanes, sie gehören zu den völlig alltäglichen Dingen. Trotzdem ist gerade dieser Teil der Mathematik häufig schwer im Unterricht vermittelbar. Statten sie ihre Klasse mit PDA (ggf. UMPC oder Notebook), Lasermessgerät (der nächste Baumarkt ist sicher nicht weit, alternativ geht natürlich auch Maßband und Zollstock) und Digitalkameras aus. Lassen sie die Kinder einen Fotoparcour mit Matherätseln erstellen (OpenOffice/GIMP). Zum Beispiel: Volumen der Sporthalle ergibt den Teiler für die nächste Aufgabe, wie z.B. Fläche der Aula in km². Die Kinder lernen den praktischen Umgang mit einer Software, das vermessen von Räumen und das Umrechnen von Einheiten. Sie können die Ralley auch als Lehrkraft vorgeben und eine Lösungswort „errechnen“ lassen. In beiden Fällen pure Mathematik, die Schüler/innen aber im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“. Sie können die Übung zusätzlich erweitern, wenn sie mit der Hilfe des Internets die Spielfläche vergrößern. Nutzen sie zum Beispiel GoogleEarth und vermessen sie einmal eine Stadt oder ein Land, lassen sie mit Einheiten und Größen spielen.
Es gibt natürlich Fächer, wo die Mehrheit der Pädagogen sagt: „Hier kann ich nicht wirklich multimedial arbeiten“. Sind sie sicher? Geschichte für eine 8. Klasse ist da ein gängiges Beispiel, für einige super spannend, für andere trocken Fakten und Daten, aber mit dem PC?
Vielleicht kennen sie zahlreiche Bücher und auch Filme über die Französische Revolution, aber stellen sie doch mal die Aufgabe, das die Schüler/innen in einer festgelegten Zeit (1-2 Unterrichtsstunden, je nach Lehrplan) eine eigene Lehrvisualisierung zu diesem Thema erstellen sollen. Teilen Sie die Klasse auf und vergeben Sie einzelne Geschichtsabschnitte, z.B. Sturm auf die Bastille. Die Schüler/innen sollen entweder mit selbst erstellten oder mit Bildern aus dem Geschichtsbuch/Internet einen Teil der Geschichte visuell darstellen. Nutzen Sie eine Präsentationssoftware wie Impress (PowerPoint) aus dem OpenOffice Paket. Haben Sie etwas mehr Zeit und engagierte Schüler/innen, lassen sie wichtige Szenen nachspielen.
Es gibt noch eine ganze Anzahl von Beispielen, wie sie ihren normalen Unterrichtsstoff durch den Einsatz von Multimedia leichter und attraktiver vermitteln können. Wenn sie sich bewusst für den Einsatz von EDV entscheiden, heißt das in diesen Fällen aber auch der Abschied vom klassischen Frontalunterricht. Viele Pädagogen schrecken zunächst davor zurück, entweder fehlt das Fachwissen oder ein zu großer Aufwand wird befürchtet. Beide Befürchtungen sind in den meisten völlig unbegründet. Es braucht nicht viel technischen Wissen um die genannten Projekte durchzuführen, zudem sollten sie auf ihrer Schüler/innen vertrauen. Kinder und Jugendliche besitzen in der Regel genügend technisches Verständnis und KnowHow, um jedes dieser Projekte technisch umzusetzen. Die Aufgabe der Lehrkraft liegt hierbei eher im Begleiten und am Impulse geben. Sie müssen sich nicht mit dem Design einer Präsentation auseinandersetzen, sie müssen darauf achten, das die wesentlichen Inhalte vorhanden und richtig sind. Natürlich bedeutet dies, sie müssen einen Teil der Verantwortung abgeben, auf der anderen Seiten bleibt ihnen so Zeit für das wesentliche, die Lehre.
Nur noch ein letzter Tipp aus der Praxis, machen sie es ganz oder gar nicht. Ein bisschen „Multimedia“ funktioniert nicht.
 
Stefan Schaper, Dipl.-Sozialpädagoge/-arbeiter
 
Handout im Rahmen des Fachtages "Jugendmedium Internet",  am 29.10.2009 der Fachberatungsstelle Violetta

http://www.violetta-hannover.de/fachvortraege