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„Was treibt mein Kind im Netz?“ -
Ein Rückblick auf die 1.Familien-LAN Party in Braunschweig, vom 26. Oktober 2007
 

Da hockt das Kind stundenlang allein vor dem Computer, anstatt sich um die „schönen Seiten“ des Lebens zu kümmern – von den Schularbeiten mal ganz abgesehen. Die Sorge, der Nachwuchs könnte im Kinderzimmer sozial verkümmern, gar verblöden oder aggressiv durch die Straßen ziehen umtreibt viele Eltern. Es streiten sich die Gelehrten über die Wirkung von Computer- und insbesondere von sogenannten Killerspielen: Lösen Gewaltspiele am PC Hassgefühle bei den Heranwachsenden aus, wie es Prof. Dr. Christian Pfeiffer in seinen Studien nachgewiesen haben will? Oder übernehmen die in ihren Animationen so realitätsnah wirkenden, aber letztlich doch fiktiven Spiele eine Funktion, die in vorhergehenden Zeiten Märchen hatten? Eine These, die der Geistliche Thomas Hartmann in seinem jüngst erschienenen Buch „Schluss mit dem Gewalttabu! Warum Kinder ballern und sich prügeln müssen“ vertritt.

Dass Computerspieler heutzutage alles andere als sozial isoliert und verkümmert sind, zeigen LAN-Partys. Local Area Network -Party begeistern seit Jahren die Spieler quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten. Und hierzu zählen nicht nur Eigenbrödler und Langzeitinformatikstudenten. In sogenannten Clans, einem Zusammenschluss von Spielerinnen und Spielern, die ihr Hobby teilen und wie in einem Sportverein ihre Ziele verfolgen, sind eben auch Lehrer, Polizisten, Sozialarbeiter, Staatsanwälte organisiert. Und auch die Mutter von  Lara (5) und Fynn (2), Sozialassistentin, Fremdsprachenkorrespondentin und Online-Redakteurin eines großen Internetportales. Sie ist eine der Initiatorinnen der ersten Braunschweiger Familien-LAN-Party, welche am 26. Oktober 2007 im Kinder- und Jugendzentrum Mühle stattgefunden hat.

Gemeinsam mit dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt und der Abteilung Jugendförderung der Stadt Braunschweig wurde diese Veranstaltung durchgeführt, die über 80 Besuchern einen umfangreichen Einblick in die virtuellen Welten eröffnete. Auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern, die in unterschiedliche Themenbereiche und Spielegenres unterteilt wurde, standen neben jeder Menge Computern, Monitoren, Spielekonsolen und anderer Technik, auch Fachleute als Ansprechpartner zur Verfügung. In verschiedenen Kurzreferaten konnten sich die Eltern über die technischen Möglichkeiten und die Spielideen, aber auch über die damit möglicherweise verbundenen Risiken informieren. Zu den angebotenen Themen zählten u.a.: „Web 2.0 - Social Networking wie MySpace und YouToube“, „eSports – Elektronischer Sport“, „Filtersoftware sowie die Regelungen laut USK und Jugendschutzgesetz“.

Das Anliegen seitens der Veranstalter war und ist es, insbesondere Eltern zu erreichen, die sich bislang überfordert sehen, sich in die „virtuelle Welt“ ihrer Kinder hereinzuversetzen. Eltern sollten auf dieser Veranstaltung die Möglichkeit haben gemeinsam mit ihren Kindern zu erleben, was diese an einzelnen Spielen so sehr begeistert, dass sie stundenlang in die Tasten hauen und den Joystick würgen – möglicherweise um anschließend sinnvolle Grenzen zu setzen oder selbst mit dem Nachwuchs zuspielen. Von 20:00 Uhr bis tief in die Nacht konnten die Eltern den anwesenden, professionellen Clan- Spielern über die Schultern gucken, Fragen stellen und selber aktiv werden.
Um den Altersbeschränkungen, die das Jugendschutzgesetz bzw. die USK vorgibt genüge zu tun, wurde der Veranstaltungsort in verschiedene Spielzonen, die in unterschiedliche Alterskategorien unterteilt waren, unterteilt.  Das Mindestalter für Besucherinnen und Besucher betrug überdies 12 Jahre, so das ein Großteil der gängigen Spielegenres für alle Besucher zugänglich war.
Nur durch Fördermittel des Landes Niedersachsen und durch Sponsoren, wie z.B. Electronic Arts war diese sehr umfangreiche und aufwendige Veranstaltung möglich, da neben teurer Hardware auch Software gekauft, bzw. gemietet werden musste. Obwohl die Veranstaltung auch durch kommerzielle Sponsoren unterstützt wurde, waren diese während der LAN-Party weder vertreten, noch wurde für diese Werbung gemacht. Die gesamten Planung und Durchführung lag in den Händen eines Teams von Medienpädagogen, welche auch die Kurzreferate  hielten.
Rückblickend können wir als Veranstalter sagen, das es eine gute und sinnvolle Veranstaltung, die enormes Ausbaupotential inne hat.

Veröffentlicht zur Tagung “Schöne neue Medienwelten”, vom 4. und 5.12.2008 in der Akademie Remscheid
http://schoene-neue.medienwelten.org/wp-content/uploads/family_lan_party1.pdf